Schiri-Lehrwart Sebastian Müller pfeift seit elf Jahren in der Gruppenliga

Auch mal zugeben, wenn "man einen schlechten Tag hatte"

1995 hatte sich der für den SSC „Juno“ Burg pfeifende Polizeibeamte der „schwarzen Zunft“ angeschlossen. In diesem Jahr ist der verheiratete Vater eines Sohnes seit exakt zwei Jahrzehnten Schiri. Ein Zeitraum, in dem sich Müller viele Erfahrungen und auch eine Portion Abgeklärtheit angeeignet hat. „Man bricht sich keinen ab, wenn man mal sagt, dass man heute einen schlechten Tag hatte“, erklärt er.

Müller, der in seiner Freizeit nicht nur pfeift, sondern auch gerne wandert, Ski fährt oder auf dem Mountainbike unterwegs ist, versucht seine Ausgeglichenheit und Ruhe auch den jungen Nachwuchsreferees mit auf den Weg zu geben, die er alljährlich ausbildet: Seit 2012 ist er verantwortlicher Lehrwart im Dillenburger Kreisschiedsrichterausschuss.

Gelassenheit hat der 34-Jährige auch an den Tag gelegt, als es galt, sich auf die Herausforderungen der neuen Saison vorzubereiten: „Ich habe die Sommerpause als solche genutzt, mich einmal nicht mit Fußball beschäftigt und bin viel mit dem Mountainbike unterwegs gewesen.“

Innere Ruhe und Ausgeglichenheit legt der Herborner Schwarzkittel auch an den Tag, weil die vergangene Saison für ihn gut gelaufen ist. Müller rückblickend: „Bis auf zwei Spiele war ich mit meiner Leistung und der meiner Assistenten sehr zufrieden.“

Im letzten Jahr "stand bei mir die Null"

Da sich die Menge der von ihm gezeigten Roten Karten in der seit wenigen Wochen laufenden, neuen Meisterschaftsrunde nicht mehr reduzieren lässt (O-Ton des Kreis-Lehrwarts: „Da stand bei mir die Null.“), hat er sich für die Saison 2015/2016 ein ganz spezielles Ziel gesteckt: „Weniger Gelbe Karten zu zeigen und die Spieler durch meine Persönlichkeit zur Einhaltung der Regeln zu bewegen.“

Aus Sicht des Polizeibeamten sind übrigens nicht nur Partien der Gruppenliga für einen Unparteiischen eine besondere Herausforderung. „Auch Kreisoberliga-Spiele haben ihren Reiz“, sagt Müller. Ein spezielles Schiedsrichter-Vorbild hat der 34-Jährige, seitdem er sich das Trikot des Spielleiters überstreift, nicht. Es gebe, so sagt der Lehrwart, „viele gute Schiedsrichter“, von denen man sich für die eigene Tätigkeit „etwas abschauen“ könne. Und die falle einem Schiri naturgemäß einfacher, wenn man nicht – wie viele Schiris an der Basis – als Einzelkämpfer, sondern „wie in der Gruppenliga im Gespann unterwegs“ sei: „Das macht mehr Spaß und erleichtert dem Schiedsrichter die Arbeit auf dem Platz.“

Apropos Ruhe und Gelassenheit: Liege ein Unparteiischer trotz aller Bemühungen, Spiel entscheidende Fehlentscheidungen zu vermeiden, dennoch einmal komplett daneben, „hilft es nur, zu sprechen“, meint Müller. „Und zwar innerhalb des Gespanns, mit dem Schiedsrichterbetreuer oder auch mit Spielern und Trainern vor Ort“. Eine solch „völlig verkorkste Spielleitung“ sei ihm „zum Glück aber schon länger erspart geblieben“.

Text: Joachim Spahn

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